Ein Funke hat schon genügt

Flächenbrand in Casum: Ein Mähdrescher löst vermutlich das Großfeuer aus.

Die wochenlange Trockenheit und der anfachende Wind treiben die Flammen über die Felder. Der schnelle Löscheinsatz verhindert, dass ein Reetdachhaus abbrennt

Von Andreas Großpietsch

Borgholzhausen. Ein Streifen Wald steht in Flammen und brennendes Stroh auf einem Acker züngelt direkt neben dem reetdachgedeckten Kotten: Der Brand, zu dessen Bekämpfung am Montagnachmittag Feuerwehrkräfte aus Borgholzhausen, Halle und Versmold nach Casum gerufen werden, hat das Zeug zu einer größeren Katastrophe. Zum Schluss ist es der rasche Einsatz der Rettungskräfte, die zusammen mit Landwirten erfolgreich gegen den Flächenbrand kämpfen, der das verhindert. Und ein wenig Glück war wohl auch dabei.

Ein Stein im Mähwerk reicht manchmal schon als Auslöser

Ein kräftiger Wind weht am Montagnachmittag über die in der Sommerhitze brütenden Felder. Und er facht die Flammen mit unheimlicher Geschwindigkeit an, die sich auf einem der Getreidefelder entwickelt haben. Dort wurde mit einem Mähdrescher Getreide geerntet.

Was genau den Brand ausgelöst hat, ist nur schwer zu sagen. Aber nicht selten reicht ein Stein, der ins Mähwerk gerät, das ihn wieder zurück aufs Feld schleudert – mitten ins trockene Stroh. Entsteht dabei ein Funke, dann genügt das manchmal, um die trockenen Halme zu entzünden. Binnen kürzester Zeit steht am Montagnachmittag das halbe Feld in Flammen. Der Wind, so sehr er auch zur Ausbreitung des Feuers beiträgt, hat jedoch ein Gutes: Er treibt die Flammen in den abgeernteten Teil des Feldes. Der Mähdrescher setzt seine Arbeit zunächst fort. Es dauert einen Moment, bis das Feuer entdeckt wird.

Zum Glück wissen die Landwirte und Lohnunternehmer in solchen Fällen genau, was zu tun ist. Und sie sind vorbereitet.

Die großen Güllefässer sind mit Wasser gefüllt und stehen nicht weit entfernt. Und auch der Grubber ist schnell zum Einsatz gebracht. Mit dem Gerät wird der abgeerntete Boden flach aufgerissen. Es entsteht eine Art Feuerschneise. Zusätzlich kann mit den Gülleanhängern auch ein erster Löschangriff auf das Stroh gestartet werden.
Denn solche Feuer flackern rasch auf und breiten sich gerade bei der herrschenden Trockenheit mit rasender Geschwindigkeit aus. Gleichzeitig verbrauchen sie auch sehr schnell das Brennmaterial und hinterlassen schwarze Felder, von denen noch länger Rauch aufsteigt.

Wirklich gefährlich sind diese Brände immer nur da, wo sie auf Bereiche mit mehr brennbarem Material treffen. Das ist beim Brand im ländlichen Ortsteil Casum gleich an zwei Stellen der Fall. Inmitten der Felder, die in Flammen stehen, liegt ein liebevoll restaurierter Fachwerkkotten. Eine seiner Besonderheiten ist ein Reetdach. Zum Glück ist Kerstin Künsebeck in der Nähe. Sie sieht, wie sich die Flammen dem Gehöft nähern und kann die nach und nach aus allen Richtungen eintreffenden Feuerwehrfahrzeuge durch ihren Notruf an die richtige Stelle leiten. Der Einsatz der Feuerwehren – neben den beiden Borgholzhausener Löschzügen sind Einsatzkräfte der gesamten Versmolder Feuerwehr sowie der Haller Löschzüge Hörste und Kölkebeck vor Ort – sorgt für genug Löschwasser im Umfeld des Kottens inmitten der brennenden Felder. Ein Rhododendronbusch im Garten ist am Ende angebrannt, doch das Gebäude wird gerettet.

Traktoren schaffen eine Feuerschneise hinter dem Wald

Gleichzeitig toben die Flammen an anderer Stelle durch ein schmales Wäldchen, das sich auf etwa 100 Metern Länge zwischen den Feldern erstreckt. Brennbares Material am Boden brennt rasch, doch die Hitzeeinwirkung ist trotz der Trockenheit zum Glück nicht stark genug, um die Bäume in Brand zu setzen. Indessen nutzen die Männer auf den großen Traktoren die Chance, das Feuer einzudämmen: Direkt hinter dem Wald grubbern sie eine Feuerschneise, so dass der Brand an dieser Stelle nicht mehr weiter kann. Zusammen mit den rund 80 Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehren gelingt es ihnen so, den Brand erfolgreich einzudämmen. Doch eine Fläche von geschätzt insgesamt fünf Hektar Größe ist verbrannt.

 

Quelle: Haller Kreisblatt