51-Jährige stirbt bei Brand im Dachgeschoss

Großeinsatz in Westbarthausen

 

Borgholzhausen. Am Ende sind alle Anstrengungen vergeblich gewesen: Eine 51-jährige Frau aus Westbarthausen stirbt in der Nacht zu Mittwoch infolge der schweren Verletzungen, die sie bei einem verheerenden Brand in ihrem Wohnhaus erlitten hat. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Borgholzhausen können sie noch aus dem Treppenhaus des brennenden Gebäudes bergen, doch die Reanimationsversuche vor Ort bleiben erfolglos. Bei dem Versuch, seine Frau zu retten, hatte sich der 57-jährige Ehemann zuvor eine schwere Rauchgasvergiftungzugezogen.

2013-03-14 HK 001„Schon als wir über die Autobahnbrücke zur Brandstelle fuhren, war der Feuerschein des brennenden Hauses zu erkennen“, schildert Borgholzhausens Stadtbrandmeister Udo Huchtmann das Geschehen. Sofort ist klar, dass auch die vereinten Kräfte beider Borgholzhausener Löschzüge in diesem Fall nicht ausreichen würden. Deshalb werden etliche weitere Helfer zur Brandstelle direkt an der Grenze zu Versmold beordert (siehe dazu den Hintergrundbericht).

Beim Eintreffen vor Ort schlagen die Flammen bereits aus den Fenstern der Dachgauben. Während sich die Einsatztrupps fertig machen, um in das Gebäude einzudringen, gilt es zunächst einmal die Zahl der vermissten Personen festzustellen. Rasch wird klar, dass bis auf die 51-jährige Ehefrau des Hauseigentümers alle übrigen anwesenden Anwohner das Gebäude verlassen konnten.

2013-03-14 HK 002Neun Menschen beherbergt das Gebäude bis zu dem verheerenden Brand. Sieben von ihnen, darunter drei Kinder und Jugendliche, sind an diesem Abend zu Hause. Das große Klinkergebäude ist als Winkelkonstruktion gebaut und enthält drei Wohnungen.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht bemerken die Menschen in dem Haus an der Westbarthauser Straße den Brand, alarmieren die Feuerwehr und bringen sich in Sicherheit. Hausherr Werner Herde, der auch Ratsherr der Stadt Borgholzhausen ist, versucht vergeblich seine Ehefrau Claudia aus dem stark verqualmten Gebäude zu retten. Er wird mit einer schweren Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus Dissen eingeliefert.

2013-03-14 HK 003Mit schwerem Atemschutz dringen jetzt Feuerwehrleute ins Gebäude ein. Mit Wasser aus einem Tanklöschfahrzeug gelingt es ihnen, Hitze und Qualm im Treppenhaus so weit zu reduzieren, dass sie schließlich die verletzte Frau finden und ins Freie bringen können. Während alle Versuche einer Wiederbelebung scheitern, füllen sich die schmalen Straßen im Außenbereich mit immer mehr Einsatzfahrzeugen und die Feuerwehr beginnt mit den eigentlichen Löscharbeiten.

Die gestalten sich jedoch schwierig, weil es in Westbarthausen kein städtisches Wassernetz und damit auch keine Feuerwehrhydranten gibt. Zum Löschen muss zunächst das Wasser aus den verschiedenen Tanklöschfahrzeugen eingesetzt werden, die im Pendelverkehr genügende Mengen herbeizuschaffen versuchen. Das Dachgeschoss beginnt trotzdem in voller Ausdehnung zu brennen.#

Um das Wasser aus zwei Teichen nutzen zu können, müssen Schlauchleitungen über 300 und 500 Meter Länge gelegt werden. Als das Wasser schließlich durch sie hindurchströmt, kommt es durch die eisige Kälte mehrfach dazu, dass Schläuche platzen und erst wieder mühsam durch neue ersetzt werden müssen. In der Brandnacht sinken die Temperaturen bis auf zwölf Grad unter den Gefrierpunkt. Auslaufendes Löschwasser erstarrt sofort zu Eis und verwandelt die leicht ansteigende Zufahrt zum Brandort in eine eisglatte Rutschbahn.

2013-03-14 HK 004Der städtische Bauhof wird aktiviert und sorgt mit großen Mengen Salz dafür, dass Menschen und Fahrzeuge zum Einsatz gebracht werden können, umdie Flammen zu löschen. Das Dachgeschoss ist nicht mehr zu retten und wird zum Totalschaden, die darunter liegenden Räume werden durch die erheblichen Löschwassermengen schwer beschädigt.

Die Polizei geht nach ersten Schätzungen von einem Schaden in Höhe von rund 500 000 Euro aus. Die Brandursache wird von den Brandermittlern untersucht, die aber noch keinen eindeutigen Grund feststellen konnten.

 

DER HINTERGRUND

100 Rettungskräfte im Einsatz

Es war ein Großeinsatz, an dem zahlreiche Helferinnen und Helfer auch von außerhalb der Borgholzhausener Stadtgrenzen beteiligt waren. Bürgermeister Klemens Keller, der selbst zwei Stunden vor Ort war, lobte die unter schwersten Bedingungen geleistete Arbeit. Noch vor dem Eintreffen am Brandort alarmierte Einsatzleiter Marcus Linse die Drehleiter aus Dissen, kurz danach die Löschzüge aus Bockhorst und Dissen komplett. Außerdem unterstützten ein Tanklöschfahrzeug und eine weitere Drehleiter aus Versmold die Löscharbeiten. Vier Rettungswagen mit zwei Notärzten sorgten für die medizinische Betreuung vor Ort, behandelten unter anderem eine 29-jährige Bewohnerin des Haues, die eine leichte Rauchvergiftung erlitten hatte. Zusätzliche Atemschutzausrüstungen wurden aus Gütersloh herangebracht. Insgesamt waren rund 100 Frauen und Männer vor Ort, die mit 25 Einsatzfahrzeugen gekommen waren. Besonders schwierig war die Arbeit der Notfallseelsorge, die sich um die Angehörigen der verstorbenen Frau kümmerte. Auch Feuerwehrseelsorger Dirk Leiendecker aus Versmold war vor Ort. Er konzentrierte sich vor allem auf die teils recht jungen Feuerwehrleute, die sich um die Bergung der Frau bemüht hatten. Das Wohnhaus ist sicherlich für längere Zeit unbewohnbar. Die Menschen, die bis zur Mittwochnacht darin lebten, fanden zunächst bei Verwandten erste Aufnahme.

 

Quelle: Haller Kreisblatt

 

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Haller Kreisblatt vom 14.03.2013 Beliebt
Autor Haller Kreisblatt Webseite Webseite Datum 14.03.2013 Sprache  Deutsch Dateigröße 363.7 KB Download 935 Download