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Seine Feuerwehr-Karriere beginnt mit einer Mauschelei

Nach 24 Jahren trennt sich Udo Huchtmann von seinem Amt als Feuerwehr-Chef.

Bei seinem Einstieg vor knapp 50 Jahren ging nicht alles mit rechten Dingen zu.

 

Borgholzhausen. Im Grunde genommen war es eine kleine Mauschelei, als Udo Huchtmann in die Jugendfeuerwehr eintrat. Er war mit elf Lenzen genau zwei Jahre zu jung, um offiziell mitmachen zu dürfen. „Mein Vater war auch Feuerwehrmann und irgendwie ging das dann“, erinnert sich der 59-Jährige mit einem Lächeln.

2022 07 22 hk 001 250pxSchon als Knirps kannte sich Udo Huchtmann im Gebäude an der Brinkstraße bestens aus. „Genau dort habe ich auf meinem Stühlchen gesessen“, sagt Huchtmann und zeigt in eine Ecke des Feuerwehrgerätehauses. Als sein kleines Sitzmöbel hier stand, waren hier allerdings noch keine Löschfahrzeuge untergebracht. Bis in die Siebziger hinein drückten hier zahlreiche kleine Jungen und Mädchen die Schulbank. „Damals wurde eine Art Rotationsprinzip angewandt“, erklärt der 59-Jährige. „Die beiden ersten Schuljahre habe ich in der Grundschule in Casum, das dritte hier in Berghausen und das vierte in der Schule in Kleekamp verbracht.“

1974 trat Udo Huchtmann dann in die frisch gegründete Borgholzhausener Jugendfeuerwehr ein. Da stand noch in den Sternen, dass der hochgewachsene Elfjährige einmal selbst die Nachwuchsabteilung leiten (1986 – 1992) und zum Chef der gesamten Wehr aufsteigen würde. Im März 1998 übernahm Huchtmann den Staffelstab von seinem Vorgänger Jochen Brinkmann. „Das ist gar nicht viel Arbeit, hat man mir damals gesagt“, amüsiert sich der Stadtbrandinspektor im Rückblick über diese Untertreibung.

Denn natürlich ist dieses verantwortungsvolle Ehrenamt mit viel Aufwand verbunden. „15 bis 20 Stunden meiner Freizeit investiere ich wöchentlich in die Feuerwehr“, schätzt Udo Huchtmann, der seit 2013 zusätzlich als stellvertretender Kreisbrandmeister im Einsatz ist. Über dieses Amt ist er auch vor einem Jahr im überfluteten Euskirchen gewesen und hat mitgeholfen, die von den Wassermassen verursachten Schäden zu beseitigen. „Im Vergleich mit diesen Schicksalsschlägen relativieren sich vollgelaufene Keller nach einem Starkregen natürlich, obwohl das selbstverständlich auch für die betroffenen Borgholzhausener Bürgerinnen und Bürger keine schöne Sache ist.“

Besonders viel Freude hat Huchtmann immer an der technischen Seite der Feuerwehr gehabt. Wenn neue Fahrzeuge angeschafft werden, wird die technische Ausrüstung vorher ganz genau geplant. „Früher hatten wir gerade mal eine Brechstange an Bord, um Unfallopfer aus den Fahrzeugen zu befreien. Heute können wir allein anhand des Kennzeichens ein komplettes technisches Datenblatt des Fahrzeugs elektronisch abfragen.“

Zum Teil sind die Fahrzeuge mittlerweile mit Tablets ausgerüstet, die nach der Alarmierung automatisch die Navigationsapp starten, damit die Feuerwehrleute sich nicht mit Eingeben der Ernstfall-Adresse aufhalten müssen.

Bei seinem Amtsantritt 1998 schaffte Huchtmann, der bei Goldbeck Bau arbeitet und auch Brandschutzbeauftragter für den Bielefelder Standort ist, noch als erstes ein Faxgerät an. Diese Technik ist längst nicht mehr der bevorzugte Kommunikationskanal. „Das hat sich alles ganz schön verändert.“

Nicht immer zum Besseren, wie er findet. „Als am Telefon noch ein Kabel hing, haben sich die Leute vernünftiger abgemeldet. Heute trudelt kurz vor knapp eine WhatsApp ein. Verbindliche Aussagen gelten heute nicht mehr so viel wie früher.“ Huchtmann ist natürlich klar, dass die Erde sich dreht und die Menschen mit ihr. „Das Freizeitverhalten hat sich doch sehr geändert.Meine Erwartungen möchte ich aber nicht herunterschrauben. Deswegen habe ich mich entschieden – obwohl ich die Altersgrenze, die bei 67 Jahren liegt, noch nicht erreicht habe – das Amt in jüngere Hände zu übergeben.“ Der 39-jährige Alexander Schlüter, bisher Vize-Leiter des Löschzugs Bahnhof, wird Nachfolger.

„Die Gemeinschaft in der Feuerwehr hat mir immer Freude gemacht“, betont Udo Huchtmann, der sich über seine Gefühle angesichts der Staffelstabübergabe noch nicht ganz sicher ist: „Ich glaube, das werde ich erst bei der offiziellen Amtsübergabe genau wissen“, vermutet Huchtmann, der dem Löschzug Borgholzhausen als aktives Mitglied erhalten bleibt. Auch sein Amt als stellvertretender Kreisbrandmeister setzt er fort.

Besonders freut Udo Huchtmann, dass er das Familienfeuerwehr-Gen an seinen Sohn weitergegeben hat. Auch der 30-jährige André Huchtmann ist über die Jugendfeuerwehr zu den Aktiven des Löschzuges Bahnhof gestoßen. Bei seinem Einstieg war der übrigens vorschriftsgemäß die erforderlichen 13 Jahre alt.

 

Quelle: Haller Kreisblatt