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Die Geschichte geht auch die Jüngeren etwas an

Volkstrauertag: Rund 50 Menschen versammelten sich am Sonntagvormittag auf dem Kriegsgräberfeld des Friedhofs, um der Opfer der beiden Weltkriege zu gedenken. Hermann Ludewig fand eindringliche Worte, die er auch an die junge Generation richtete

 

Borgholzhausen (anke). Die Namen auf den Steinkreuzen auf dem Kriegsgräberfeld sind kaum noch zu erkennen. Die Zeit hat sie verwischt. So, wie sie auch die Erinnerung an die beiden Weltkriege verwischt. Immer kleiner wird die Gruppe derer, die von den Kriegen erzählen können. Derer, die uns ins Gewissen reden könnten, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.

2018 11 19 hk 001 250px„Jedes Jahr ruft uns der  Volkstrauertag zu den Kriegsgräbern“, begann der stellvertretende  Bürgermeister Hermann  Ludewig seine Ansprache  zu dem Gedenktag. Er und  zahlreiche Piumer waren nach  den Gottesdiensten in den beiden  Kirchen zum Friedhof gekommen,  um einen Kranz niederzulegen.  „Wir halten die Erinnerung  an das bitterste Kapitel  unserer Geschichte  wach“, nannte er den Sinn dieses  Tages, der durchaus umstritten  ist. „Viele nennen den  Volkstrauertag eine Alibiveranstaltung,  einige lehnen ihn  sogar ab“, sagte Ludewig.

In der Tat sei der Volkstrauertag ein schwieriger Feiertag. Er lege den Finger in die Wunde der deutschen Geschichte. Die Gründer des Volkstrauertags wollten der Opferdes Ersten Weltkriegs gedenken. Der Tag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen. Die Nationalsozialisten griffen den Tag auf und machten daraus einen »Heldengedenktag«. „Wer alte Feldpostbriefe liest, der findet wenig von Heldentum. Er liest eher von unvorstellbarer Trauer und Verzweiflung“, so Hermann Ludewig.

Noch seien Menschen unter uns, die den Krieg erlebt hätten, sagte der stellvertretende Bürgermeister. Auch solche, die ihn erst kürzlich erlebt hätten. „Noch heute verdunkeln viele Kriege unsere Zeit.“ Tod und Terror gehörten in anderen Teilen der Welt für viele Menschen zum Alltag. Die Zahl der Opfer sei kaum noch bezifferbar.

„Darum geht unsere Geschichte auch die Jüngeren etwas an“, so Ludewig. Sie seien nicht verantwortlich dafür,was damals geschehen sei. Aber sie seien verantwortlich dafür, was daraus werde. „Es ist unsere Verantwortung, den Frieden zu sichern“, sagte der stellvertretende Bürgermeister.Under meinte damit nicht nur den Weltfrieden, sondern den Frieden unter den Menschen. Es sei wichtig zu bemerken, dass kleine »Kriege« jeden Tag im Alltag stattfinden. Ob Gewalt gegen Frauen und Kinder, gegen Tiere und die Natur, im alltäglichen Sprachgebrauch oder in der Ablehnung und Ausgrenzung von Andersdenkenden – Gewalt begegne uns überall. Der Frieden beginne bei jedem einzelnen Menschen, der ihn bewahren will.

Der Kranzniederlegung des stellvertretenden Bürgermeisters schlossen sich einige Vereine an. Darunter die Schützen, die Feuerwehr, der Bund der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, der Sozialverband VdK und der TuS Borgholzhausen. Der Feuerwehrmusikzug und der Männerchor rahmten die Veranstaltung auf dem Friedhof musikalisch ein.

Nach gut einer halben Stunde war das Kriegsgräberfeld wieder leer. Zurück blieben die Steine mit den kaum lesbaren Namen. An einem der Steine hatte jemand eine rote Rose niedergelegt – die ohne Worte und ganz für sich allein von der schmerzlichen Erinnerung an einen geliebten Menschen erzählt.

 

Quelle: Haller Kreisblatt