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Brandschutz hat funktioniert

Großbrand bei Schüco: Ein Viertel der Produktionshalle ist total beschädigt, der Schaden geht in den zweistelligen Millionenbereich. Die Brandursache bleibt zunächst rätselhaft, weil die Ruine noch nicht betreten werden kann

 

Borgholzhausen. Als sich Montagfrüh der Rauch nach dem Großbrand verzogen hat, ist schon vieles klarer geworden. Doch die viele Menschen besonders interessierende Frage nach der Ursache des verheerenden Feuers bleibt erst einmal unbeantwortet. Die Experten der Kripo können die Halle derzeit nicht betreten, weil die Einsturzgefahr zu groß ist. Hier ist zunächst einmal ein Statiker gefragt.

2019 03 19 hk 001 250pxIn anderen Bereichen gibt es aber schon Antworten. „Wir sind sehr froh, dass es bis auf den leichtverletzten Feuerwehrmann keinen Personenschaden gibt“, sagt Thomas R. Lauritzen, der Kommunikationschef des Unternehmens. Erfreulich ist, dass große Teile des Brandschutzkonzepts offenbar gut funktionierten. Die Brandwände im Inneren der Halle beschränkten den Schaden auf die Eloxierabteilung. Die angrenzenden Bereiche der Arbeitsvorbereitung wurden durch Rauch und Löschwasser geschädigt, aber wohl nicht zerstört.

2019 03 19 hk 002Das Löschwasser selbst ist nicht in die Kläranlage gelangt, sondern befindet sich in den dafür vorgesehenen Auffangbereichen unter der zerstörten Halle. Auch ein wichtiger Aspekt: Die Borgholzhausener Wasserversorgung konnte genug Wasser für die Hydranten liefern, obwohl bei der Anlage immer wieder die Warnlampen angingen. Denn ab einer bestimmten Menge Wasserverbrauch geht der Computer von einer Leckage in der Leitung aus.

„Doch Mitarbeiter vom Wasserwerk, Bauhof und Kläranlage waren am Sonntagabend rasch vor Ort“, ist Bürgermeister Dirk Speckmann mit dem Einsatz der städtischen Bediensteten sehr zufrieden. Und auch Lauritzens Aussage vom Tag danach, dass „die Feuerwehren einen Super-Job gemacht“ haben, schließt er sich natürlich an.

12019 03 19 hk 00370 Einsatzkräfte bekämpften den Großbrand am Sonntagabend. Die Borgholzhausener wurden dabei von Kameraden aus Halle, Dissen, Versmold und Werther unterstützt. Hinzu kamen noch die übergreifende Kommunikationsabteilung und, ganz wichtig, der ABC-Zug. Wegen der anfangs sehr starken Rauchentwicklung wurden die Menschen in der Nähe aufgefordert, die Fenster ihrer Häuser geschlossen zu halten.

„Die erste Messung direkt im Rauch hat zu der Warnung geführt, obwohl die Werte nicht gesundheitsgefährdend waren“, sagt Udo Huchtmann. Eine zweite Messung um 23 Uhr zeigte bereits Werte im grünen Bereich, berichtet der Einsatzleiter. Noch am Morgen nach dem Brand war auf dem Rasen vor der Halle der Löschschaum zu sehen, mit dem der Brand erstickt wurde. „Wir wollten nicht zu viel Wasser einsetzen, damit die Wannen mit den Chemikalien nicht überlaufen“, erklärt Huchtmann, warum bei diesem Brand sogenannter Schwerschaum zum Einsatz gebracht wurde. Auch die Auffangkapazitäten sollten nicht überlastet werden.

2019 03 19 hk 004Die Kraft des Feuers zeigen die verformten Außenwände des betroffenen Bereichs. Vom Dach ist fast nichts mehr übrig geblieben. Bis die 55 Mitarbeiter aus der Eloxierabteilung wieder in Borgholzhausen ihrem Job nachgehen können, werden sicher einige Monate ins Land gehen.

 

Wie es bei Schüco jetzt weitergeht

  • „Wir haben die 55 Mitarbeiter der Eloxierabteilung nach Hause geschickt. Aber wir verhandeln jetzt intensiv mit dem Betriebsrat, wo sie jetzt tätig sein werden“, sagt Schüco-Sprecher Thomas R. Lauritzen.
  • Im restlichen Teil des Betriebs wurde gestern so normal wie möglich gearbeitet. Die Griffe und Beschläge, die für die Möbel- und vor allem für die Küchenmöbelindustrie gefertigt werden, sind unverzichtbar. Deshalb verhandelt Schüco bereits mit externen Anbietern, die vorerst das Eloxieren übernehmen sollen.
  • „Wir haben Lieferverpflichtungen und die wollen wir auch einhalten“, erklärt Lauritzen den Grund für die Eile bei den zu treffenden Entscheidungen. Wie lange es dauert, die Abteilung am Standort Borgholzhausen wieder aufzubauen, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch niemand genau sagen.
  • Schon jetzt ist klar, dass im abgebrannten Teil der Halle nichts mehr zu retten sein wird. Wie stark die restlichen Räume und Maschinen beschädigt sind, müssen die erst anlaufenden Untersuchungen zeigen.

 

Gefährlich, aber nicht brandgefährlich

Eloxieren: Bei der Oberflächenbehandlung von Aluminium werden starke Säuren und Laugen eingesetzt. Die sind allerdings nicht brennbar

 

2019 03 19 hk 005Borgholzhausen (AG). Die allermeisten Produkte aus Aluminium würden auch ohne die abschließende Oberflächenbehandlung funktionieren. Doch würde man auf die »elektrolytische Oxidation von Aluminium« verzichten, dann würden sie sich weder so gut anfühlen noch so lange halten. Das Eloxal-Verfahren steht fast immer am Ende der Produktionskette. Dabei wird, anders als beim Galvanisieren, keine Schutzschicht auf das Material aufgetragen.

Vielmehr wird die oberste Metallschicht regelrecht umgewandelt. Rohes Aluminium reagiert ohnehin mit Sauerstoff. Durch die Verbindung der beiden Elemente entsteht eine sehr dünne Oberflächenschicht, die allerdings nicht sehr fest ist.

Das ist nach dem Eloxiervorgang anders. Die Metallstücke werden in Bäder aus aggressiven, aber in der Regel nicht brennbaren Säuren und Laugen gesteckt und unter Gleichstrom gesetzt. Die dadurch ausgelöste Reaktion sorgt dafür, dass sich Sauerstoff-Atome aus den flüssigen Verbindungen lösen und dann sehr dauerhaft mit der Aluminiumoberfläche verbinden.

Es ist bei diesem Schritt auch möglich, verschiedene Farben zu erzeugen. Die Bäder, in denen die Prozesse stattfinden, müssen meist beheizt werden. So lange die äußere Schutzschicht eines Werkstücks nicht beschädigt wird, ist das Aluminium darunter dauerhaft geschützt.

 

Quelle: Haller Kreisblatt