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„Das hätte auch echt schiefgehen können“

Umstürzende Bäume: Eine Weide fiel gestern Abend auf die Schienen der Haller-Willem-Strecke. Hätte der junge Feuerwehrmann David Mertens nicht so scharfe Augen, wäre es wohl zu einem sehr schweren Zugunglück gekommen

 

Borgholzhausen. „Ich habe aus Zufall gesehen, dass da etwas auf den Schienen liegt“, konstatiert David Mertens trocken. Doch auch wenn er es selbst nicht so sagen würde: Gestern am frühen Abend wurde er zum Helden des Tages. Eines Tages, der nach langer Dürrezeit in einem heftigen Gewitter endete, das vor allem südlich der B68 in Borgholzhausen eine eng begrenzte Schneise der Verwüstung zog. Diese Schäden allein hielten 35 Feuerwehrleute beider Borgholzhausener Löschzüge mehr als in Atem, doch es hätte auch ein noch viel schlimmerer Tag werden können.

2018 08 10 hk 001 250pxDas Löschfahrzeug des Löschzugs Stadt war voll besetzt auf der Straße Eisdehne nahe der Grenze zu Dissen unterwegs, um an einer der Stellen einzugreifen, wo Äste und ganze Bäume die Straßen blockierten. David Mertens saß hinten und ließ seinen Blick nach links wandern, als das Feuerwehrauto die Schienen des Haller Willem überquerte. Mehr als 200 Meter weiter östlich sieht er, dass da etwas Großes auf dem Schienenstrang liegt. 

Das Fahrzeug kehrte um und die Feuerwehrleute hasteten entlang des Schienenstrangs, auf dem gegen 17.45 Uhr der Nahverkehrszug aus Richtung Borgholzhausen die Stelle passieren würde. Die Kettensäge kreischte und die Männer gaben ihr Äußerstes, um die großen Äste von den Schienen zu ziehen. Außerdem hatten sie die Leitstelle per Funk benachrichtigt, die dringend versuchte, sich mit dem Zugführer in Verbindung zu setzen. In beiden Richtungen des Schienenstrangs machten sich Feuerwehrleute auf den Weg, um den Zugführer durch Winken zu warnen, falls er nicht rechtzeitig erreicht worden wäre.

2018 08 10 hk 002Auch die Feuerwehrleute unterbrechen vorsichtshalber die Arbeit auf den Gleisen, bis über Funk die Nachricht kommt, dass der Zug rechtzeitig gestoppt werden konnte. Erst dann bringen sie die Kettensäge wieder zum Einsatz und haben das Hindernis in wenigen Minuten beseitigt. Diese Vorsicht ist sicher nicht unbegründet, denn die Bahnstrecke ist an dieser Stelle nicht eben, sondern arbeitet sich eine kleine Steigung hinauf. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Lokführer das Hindernis rechtzeitig gesehen und rechtzeitig ein Bremsmanöver eingeleitet hätte, ist nicht sehr hoch.

Und ob die stattlichen Äste des abgebrochenen Baumes gereicht hätten, den Zug aus den Gleisen zu werfen, ist schwer einzuschätzen. Doch diesem Gedanken widmen die Feuerwehrleute nur wenige Augenblicke, dann eilen sie weiter zu ihrem Auto und der nächsten Einsatzstelle. Von denen gibt es reichlich an diesem schwülwarmen Sommerabend im südlichen Bereich der Stadt Borgholzhausen.

2018 08 10 hk 003Wie zum Beispiel an der Schlossallee in Holtfeld. Die Eichenreihen am Schloss hat der nur sehr punktuell zuschlagende Sturm zum Glück verschont, doch einige hundert Meter weiter Richtung Casum hat das Unwetter voll zugeschlagen. Ob Eiche, Erle oder Buche, ob jüngerer Baum oder stattlicher Veteran – auf einem Bereich von 20 Meter Breite sind alle Bäume umgestürzt, die neben der Straße standen.

In einem wirren Haufen türmen sie sich, bereiten auch den Experten von der Feuerwehr noch Kopfzerbrechen, als etliche ihrer Kameraden schon wieder dabei sind, an den Feuerwehrgerätehäusern die Einsatzfahrzeuge zu säubern. Angesichts der Dicke der Stämme wird die Hilfe von Traktoren gebraucht, um das Riesenmikado so weit zu entwirren, dass die Schlossallee wieder befahrbar wird.

2018 08 10 hk 004Auch an anderer Stelle ist man gestern Abend noch länger beschäftigt. An der Einmündung der Hörster Straße auf die Hesselteicher Straße ist ein Baum auf ein Haus und ein Wohnmobil gekracht. Damit wären die Borgholzhausener wohl noch alleine klargekommen, doch der in großer Höhe über der Hesselteicher Straße hängende Ast einer mächtigen Eiche bereitet Probleme, weil er halb gebrochen ist.

Um diese Gefahrenstelle zu beseitigen, muss Hilfe von einer benachbarten Feuerwehr angefordert werden, die über eine Drehleiter verfügt. Die übrigen 13 Einsatzstellen an diesem Abend haben die 35 Männer und Frauen der beiden Borgholzhausener Löschzüge in kürzester Zeit abgearbeitet. Und ganz nebenbei haben sie noch ein schweres Zugunglück verhindert. So gesehen war es trotz aller Schäden ein glücklicher Abend für Borgholzhausen.

 

Quelle: Haller Kreisblatt