Polizei korrigiert sich: Keine Geiselnahme an der Sundernstraße

Abschiebeversuch: Gegen das Ehepaar wird wegen Nötigung und Widerstand gegen Beamte ermittelt

 

Borgholzhausen/Bielefeld (clam).Damitrevidiert die Polizei den Ermittlungsstand vom Donnerstag. Da war noch die Rede davon gewesen, das von Abschiebung bedrohte aserbaidschanische Ehepaar habe sich mit seinen beiden Töchtern, einem Besucher sowie einem Mitarbeiter der Ausländerbehörde Gütersloh und einem Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in seiner Wohnung „verschanzt“.

2018 01 20 hk 001 250px„Nach derzeitigem Ermittlungsstand lag keine Geiselnahme vor“, heißt es in der neuen Presseerklärung, die Bielefelder Polizei und Staatsanwaltschaft Bielefeld am Freitag gemeinsam herausgaben. Gegen das Ehepaar wird danach wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung ermittelt. Die Ermittlung führt die Kommission »Sundern« der Bielefelder Polizei. Der Name ist angelehnt an die Sundernstraße in Borgholzhausen, an der das Übergangswohnheim liegt, in demdas Ehepaar lebt.

Für die Bielefelder Polizei ergibt sich folgendes Bild: Wie dem Haller Kreisblatt von anderer Seite bereits berichtet, entwendete die 49-jährige Ehefrau einem der beiden anwesenden Polizeibeamten die Dienstwaffe aus dem Holster, als dieser ihren 53-jährigen Ehemann fesselte. Laut Polizeipressesprecher Achim Ridder habe sich die Frau dem Beamten von hinten genähert. Wie sie dem Polizisten die im Holster befindliche Dienstwaffe entwenden konnte, sei Bestandteil der Ermittlung. Ebenso, warum die beiden Polizisten und der sie begleitende Arzt aus der Wohnungflüchteten.

Die Frau kündigte anschließend an, dass sie sich selbst verletzen würde,wenndie Abschiebung weiter betrieben würde, und feuerte einen Schuss in die Decke des Flures ab. Des Flures, weil sich der Vorfall laut Ridder vor der Wohnung des Ehepaares abgespielt habe. Anschließend verletzte sich die Frau mit einem Messer im Oberkörper selbst. Die Familienmitglieder kamen wie berichtet aus der Wohnung und stellten sich der Polizei.

Nach erster Versorgung durch Rettungssanitäter vor Ort wurde die Frau in ein Krankenhaus eingeliefert. Es sei zu keiner Bedrohung der in der WohnungbefindlichenweiterenPersonen gekommen, heißt es – also dem Ehemann, den Töchtern, dem Besucher und den beiden genannten, nur vermeintlichen Geiseln.

Das Ehepaar ist laut Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen wieder in die Zuständigkeit des Ausländeramtes des Kreises Gütersloh übergeben worden. Jan Focken, Pressesprecher des Kreises, teilte am Freitag mit, dass die Ehefrau weiterhin stationär versorgt werde und derzeit weder haft- noch reisefähig sei. Der Ehemann befinde sich in Abschiebehaft in Büren. Die Abschiebung werde weiter betrieben. Wann sie erfolge, sei derzeit unklar.

Die Polizei vernahm im Zuge der Ermittlung auch eine der beiden Töchter des Ehepaares und den Besucher. „Gegen beide wird nicht ermittelt“, sagte Polizeipressesprecher Ridder. Um welche der beiden Töchter es sich handelte, konnte er nicht sagen. Beide Töchter haben wie berichtet in Deutschland Aufenthaltsgenehmigungen.

 

Quelle: Haller Kreisblatt