Ehefrau kann nicht gerettet werden

CDU-Ratsherr erleidet bei Brand schwere Rauchvergiftung– Schwierige Löscharbeiten bei eisigen Temperaturen

 

Borgholzhausen-Westbarthausen (WB). Es sind dramatische Szenen kurz vor Mitternacht, die leider kein gutes Ende nehmen. Werner Herde, bekannter Zimmerer und CDU-Ratsherr, steht vor seinem brennenden Haus. Der 57-Jährige hat noch versucht seine Frau aus dem Obergeschoss zu retten, doch er muss abbrechen, kommt mit schwerer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Einsatzkräfte mit Atemschutz finden Claudia Herde leblos auf einer Treppe liegend. Doch für die 51-Jährigekommt jede Hilfe zu spät.

2013-03-14 WB 001Gegen 23.30 Uhr wird der Feuerwehr ein Zimmerbrand im Obergeschoss eines Dreifamilienhauses an der Westbarthausener Straße gemeldet. Es ist höchste Gefahr im Verzuge, denn anfangs gelten neun Menschen als vermisst. Die ersten Feuerwehrkräfte vom Löschzug Bahnhof unter Leitung von Markus Linse sehen bei der Fahrt schon aus der Ferne den Feuerschein und fordern sofort die Löschzüge aus dem nahen Bockhorst und Dissen herbei. Schnell ist klar, dass sich hier ein Vollbrand entwickelt.

Neun Personen sind in dem Mehrfamilienhaus im Außenbereich von Westbarthausen gemeldet. Dank präziser Meldungen an die Feuerwehrleute ist früh geklärt, dass alle anwesenden Bewohner das Haus rechtzeitig haben verlassen können, bis auf Claudia Herde. Fünf weitere Bewohner aus zwei Wohnungen haben sich retten können, eine 29-jährige erleidet eine leichte Rauchgasvergiftung.

2013-03-14 WB 002Wie Borgholzhausens Wehrführer Udo Huchtmann schildert, geht der erste Zwei-Mann-Trupp unter Atemschutz in das brennende und völlig verqualmte Gebäude. Die Männer müssen den Weg freilöschen, damit ein zweiter und dritter Trupp für die Rettungsaktion vorwärts kommen. Über Steckleitern und ein Balkonfenster gelangen die Feuerwehrleute ins Obergeschoss. Auf einer kleinen Treppe, die in einen ausgebauten Spitzbogen führt, finden sie die leblose Claudia Herden. Die Frau wird geborgen, und durch Feuerwehrleute als Ersthelfer wird eine Wiederbelebung eingeleitet. Doch das Opfer hat zuviel von den tödlichen Rauchgasen aufgenommen. Auf dem Weg ins Krankenhaus stirbt die Frau.

Die weitere Brandbekämpfung in diesem abgelegenen Teil von Borgholzhausen entwickelt sich für letztlich 100 Rettungskräfte mit 25 Fahrzeugen zu einer besonderen Herausforderung. Eine öffentliche Wasserversorgung über Hydranten gibt es hier draußen nicht. Über 800 Meter legen die Feuerwehrleute eine Schlauchleitung zu einem Privatteich am Antikhof Bode. Auch ein neu angelegter Teich in der Nachbarschaft wird angezapft. Doch bei Eisestemperaturen von bis zu minus zwölf Grad in dieser Nacht gefriert das Wasser 2013-03-14 WB 003nicht nur an der Einsatzstelle, so dass hohe Rutsch- und Sturzgefahr besteht. Gefrierendes Wasser lässt auch Feuerwehrschläuche platzen. »Das hat wiederholt Probleme gemacht und wir haben punktuell auf Wasser aus den Tanklöschfahrzeugen zugreifen müssen«, berichtet Udo Huchtmann. Da die Bekämpfung des Brandes im Haus bald nicht mehr möglich ist, muss die Feuerwehr von außen und von oben löschen. Hier leisten zwei Drehleitern aus Versmold und Dissen wertvolle Dienste. Doch die vielen Holzvertäfelungen des Zimmerers bieten dem Feuer viel Nahrung. Die totale Zerstörung im Obergeschoss kann nicht verhindert werden, die Polizei schätzt den Schaden grob auf eine halbe Million Euro. Das Haus ist auch in den unteren Etagen bis auf weiteres nicht mehr bewohnbar, die Mieter sind bei Verwandten und Bekannten in der Umgebung untergekommen. Um den Brandopfern und den Rettungskräften Beistand zu leisten, ist noch in der Nacht der Notfallseelsorger und Pastor Dirk Leiendecker aus Versmold gekommen.

Neben dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Dietmar Holtkemper verfolgt auch Bürgermeister Klemens Keller den Einsatz vor Ort. Der professionellen Arbeit der Feuerwehrleute und ihrem gefahrvollen Einsatz zollt Keller viel Lob. Zugleich ist er persönlich betroffen. Werner Herde, der auf der Intensivstation im Klinikum Osnabrück liegt, sitzt seit beinahe zehn Jahren im Stadtrat, war zuletzt auch im Vorstand der Bürgerinitiative gegen ein Braunkohlenkraftwerk in Dissen stark öffentlich engagiert. Seine Ehefrau war unter anderem im Schützenverein Westbarthausen aktiv.

 

Quelle: WESTFALEN-BLATT

 

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WESTFALEN-BLATT vom 14.03.2013 Beliebt
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