Löschzug simuliert Ernstfall bei Bostik

Feuerwehr übt in Spezialchemie-Unternehmen – Alle Mitarbeiter aus Gebäude evakuiert

 

Borgholzhausen (jog). »Es gab einen Unfall in der Pulverproduktion, ein Palettenstapel brennt, in der Nähe lagern Gefahrstoffe mit niedrigem Flammpunkt, Feueralarm wurde ausgelöst.« So beschreibt Werksleiter Dr. Michael Nitsche das Szenario einer Brandschutzübung bei der Niederlassung der Firma Bostik im Industriegebiet Bahnhof.

2016 05 04 wb 001 250pxAußer ihm und Löschzugführer Stefan Schlüter wissen nur Andreas Rademacher als Brandschutzbeauftragter und der für Gesundheit und Sicherheit zuständige HSE Manager Martin Schütz, dass es sich nur um eine Übung geht. Für alle übrigen Belegschaftsmitglieder kommt der Alarm überraschend. Sie sollen umgehend ihren Arbeitsplatz verlassen und sich geordnet zum Sammelplatz begeben. Dort prüfen die Abteilungsleiter, ob alle angekommen sind.

Das Szenario sieht vor, dass zwei Personen vermisst werden. Sie sind möglicherweise verletzt und befinden sich noch im Gefahrenbereich. Etwa fünf Minuten nach Alarmierung treffen die Fahrzeuge der Feuerwehr ein. Jetzt finden die Einsatzkräfte über die Brandmeldezentrale heraus, welcher der mehr als 200 auf dem 22 000 Quadratmeter großen Betriebsgelände verteilten Brandmelder angeschlagen hat. Die Feuerwehr verschafft sich mit Unterstützung des Schichtleiters Zugang zu den Sicherheitsdatenblättern, ermitteln die interne Rohstoffnummer und das Gefahrenpotenzial. »In besonders sensiblen Bereichen setzt nach 30 Sekunden die automatische CO2-Löschung ein. Im EDV-Bereich verwenden wir dagegen ein für Menschen noch atembares Gas zur Feuerbekämpfung«, erläutert Michael Nitsche.

Für besonders problematische Stoffe gibt es Löschwasserbarrieren. Abhängig vom Krisenszenario wird die betriebsinterne Alarmmeldekette aktiviert. Wenig später meldet Einsatzleiter Jörg Elbracht »Übungsziel erreicht«. Lediglich die ahnungslosen Anwohner müssen den durch das Wasser »gelöschten« Gartengrill neu entzünden. Ein gestresster Lkw-Fahrer mit eng gestricktem Zeitplan darf das Gelände verlassen.

»Wir führen regelmäßig Übungen durch, damit die Feuerwehr unseren Betrieb kennenlernt und alle Mitarbeiter wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Routine ist der Feind der Konzentration«, sagt Dr. Michael Nitsche. Höchste Priorität sei es, ass alle Mitarbeiter abends sicher zu Hause einträfen. Daher gebe es im Betrieb in jedem Jahr Übungen, um die Unfallzahlen weiter zu senken. Der »verletzte« Mitarbeiter nimmt unterdessen gut gelaunt seine Beschäftigung wieder auf. Der eingesetzte Dummy wird geborgen und liegt zum Abtransport bereit auf der Trage.

Bostik gehört mit 5000 Beschäftigten seit 2015 als »Schwergewicht« zur Arkema-Gruppe. Das französische Unternehmen für Spezialchemie beschäftigt weltweit 17 000 Mitarbeiter. In Borgholzhausen arbeiten 300 Personen an fünf Tagen in drei Schichten.

 

Quelle: WESTFALEN-BLATT

 

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WESTFALEN-BLATT vom 04.05.2016 Beliebt
Autor WESTFALEN-BLATT/Johannes Gerhards Webseite Webseite Datum 04.05.2016 Dateigröße 4.12 MB Download 311 Download